Stromkabel angebohrt: Was tun?

Wenn man ein Stromkabel angebohrt hat, muss schnelle Hilfe her. Wahrscheinlich werden Sie es dadurch gemerkt haben, dass die Sicherung in dem betreffenden oder dem angrenzenden Raum herausgeflogen ist. Eventuell ist zusätzlich – oder ausschließlich – der FI-Schutzschalter herausgeflogen. Besonders im letzteren Fall ist oft im ganzen Haus kein Strom mehr.

Stromkabel angebohrt. Was nun

Kurz und knapp:

  • Sorgen Sie dafür, dass Sie im Rest des Hauses wieder Strom haben: Lassen Sie die Sicherung des betroffenen Raums draußen und schalten Sie den FI wieder ein.
  • Verschaffen Sie sich Zugang zum kaputten Kabel – oft geht das leider nur destruktiv durch das Aufklopfen der Wand.
  • Reparieren Sie das Kabel mit einem Reparaturset.
  • Alternativ: Elektriker, Hausmeister, Vermieter oder andere Dritte rufen, die sich um das Problem kümmern.

Was kann beim Bohren in eine Stromleitung in der Wand passieren?

Wer mit dem Bohrer in einer Bohrmaschine eine Stromleitung in der Wand erwischt, der hört meist einen kleinen Knall und steht danach im Dunkeln. Was ist passiert? Es gibt hier zwei Szenarien: Am wahrscheinlichsten ist, dass der Bohrer eine stromführende Leitung freigelegt hat und über die Masse der Bohrmaschine ein Kurzschluss entstanden ist. Alternativ hat die Bohrmaschine die Leiter im Stromkabel miteinander kurzgeschlossen.

In beiden Fällen fliegt die Sicherung nur in dem Raum heraus, zu welchem die Leitung führt – oft fliegt gerade im ersten Fall aber zusätzlich der Fehlerstromschutzschalter (kurz: FI) mit heraus. Da der in der Regel das gesamte Haus oder zumindest die Etage/Wohnung absichert, ist meist in der gesamten Bewohnten Immobilie kein Strom mehr.

Elektriker stromkasten

Im Zweifel immer einen Elektriker zu Rate ziehen


Wie repariere ich ein angebohrtes Kabel in der Wand?

Um ein angebohrtes Kabel in der Wand zu reparieren, müssen Sie sich Zugang zum Kabel verschaffen – und daher meist mit Hammer und Meißel die Wand aufklopfen. Danach müssen Sie das Kabel reparieren und alles wieder zuspachteln, ggf. auch tapezieren oder verputzen und streichen. Ganz schön viel Aufwand – aber das muss sein wenn man ein Stromkabel angebohrt hat!


So legen Sie ein Kabel in der Wand frei

Um an das Kabel heranzukommen, müssen Sie meist zu brutalen Mitteln greifen: Mit Hilfe eines Bohrhammers oder Meißel und Hammer können Sie die Wand Stück für Stück aufklopfen. Mit etwas Glück lassen sich die Kabel ganz leicht herausziehen, meist müssen Sie das Kabel jedoch über eine Länge von ca. 30 cm aufklopfen.

Ein angebohrtes Kabel mit Crimps reparieren

Wenn das Kabel angebohrt wurde, muss es professionell(!) repariert werden. Das heißt: Lötkolben, Verdrillen oder andere Methoden sind tabu! Auch Lüsterklemmen oder ähnliche Provisorien sind hierfür nicht geeignet. Stattdessen brauchen Sie sogenannte Crimps bzw. Quetschverbinder. Sie müssen das Kabel durch crimpen reparieren.

Wichtig ist bei dem gesamten Vorgehen eine sorgfältige Arbeitsweise – ein Fehler kann den Aufwand der Reparatur potenzieren!

Crimps

Bevor es losgeht, zeigen wir Ihnen, was Sie für die Reparatur brauchen:

Werkzeug und Material für die Kabelreparatur in der Wand

Für das Aufklopfen der Wand brauchen Sie Meißel und Hammer, auch ratsam sind in diesem Sinne Schutzkleidung wie Handschuhe, Brille und Gehörschutz. Für das Kabel crimpen brauchen Sie Crimps, eine Crimpzange sowie einen Seitenschneider. Wichtig sind auch Schrumpfschläuche. Die Arbeit wird einfacher, wenn Sie sich zudem eine Abisolierzange zulegen. Hier direkte Links zu den Angeboten:

Werkzeugliste
Materialliste

Kabel mit Quetschverbindern reparieren

Nachdem Sie das Kabel freigelegt haben, wobei Sie sowohl vor als auch hinter der Schadstelle die gleiche Länge frei haben sollten, können Sie mit der Reparatur beginnen:

  1. Schneiden Sie das Kabel mit dem Seitenschneider senkrecht zur Richtung des Kabels gerade durch, direkt an der Schadstelle.
  2. Nehmen Sie beide Kabelenden aus der Wand, sodass Sie mit diesen arbeiten können.
  3. Nun müssen Sie die Kabelenden abisolieren. Das klappt mit Geschick auch mit dem Seitenschneider, wir empfehlen aber eine Abisolierzange.
  4. Unterputzleitungen sind in der Regel zweifach isoliert: Trennen Sie von der äußeren meist grauen Ummantelung bei jedem Kabelende ca. 7 – 10 cm ab. Nur von der Ummantelung! Seien Sie vorsichtig, auf keinen Fall dürfen Sie die Isolierung der Einzelleitungen im Inneren verletzen.
  5. Wenn Sie erfolgreich waren, liegen nun die einzelnen Leitungen an jedem Ende frei. Mit Glück sind es gerademal drei, wenn Sie Pech haben können es auch mehr sein. Sie sehen nun, ob die Leitungen einen Querschnitt von 1,5 mm² oder 2,5 mm² haben. In den meisten Fällen liegt der Querschnitt höher, also bei 2,5 mm².
  6. Der Querschnitt ist wichtig, weil Sie darauf basierend den Quetschverbinder auswählen. Sie können die blauen Quetschverbinder für beide oben genannten Querschnitte verwenden. Die roten sind nur für max. 1,5 mm² geeignet. Für Querschnitte über 2,5 mm² brauchen Sie hingegen gelbe Quetschverbinder – wir empfehlen dann aber, einen Elektriker zu kontaktieren, denn derart dicke Leitungen sind nicht nur selten, sondern auch besonders wichtig.
  7. Entisolieren Sie die einzelnen Leitungsenden zu je ca. 7 mm und stülpen über jedes Ende etwa 60 mm Schrumpfschlauch. Dieser muss am Ende über die Quetschverbinder und sollte ausreichend groß sein. Danach stülpen Sie über das ganze Kabel noch ein großes Stück Schrumpfschlauch, um am Ende die äußere Isolierung zu ersetzen. Wir haben gleich ein Video für Sie , wo Sie sehen können, wie Sie die Quetschverbinder mit der Crimpzange einsetzen, um die Kabel zu verbinden.
  8. Nachdem Sie die Kabel verbunden haben, können Sie die Schrumpfschläuche nacheinander mit dem Heißluftföhn auf die entsprechenden Stellen aufschrumpfen.
  9. Der letzte Schritt ist, das Kabel wieder in die Wand zu stecken und die Wand zu reparieren: Nutzen Sie dafür hochwertige Spachtelmasse wie z.B. Moltofill. Verputzen bzw. tapezieren und streichen Sie die Schadstelle – fertig!


Die angebohrte Leitung sieht besonders aus – was tun?

Ihre angebohrte Leitung besteht nicht einfach nur aus 3 Adern sondern hat noch eine Schirmung oder hat nur eine Ader im Kern? Dann haben Sie wahrscheinlich kein Stromkabel erwischt, sondern z.B. ein Internetkabel – gut, dass Sie das überhaupt gemerkt haben!

Vorteile und Nachteile von der Kabelreparatur

Wer ein angebohrtes Stromkabel in der Wand durch Quetschverbinder repariert, hat einen hohen Aufwand vor sich – aber ist er wirklich so hoch? Wir werfen einen Blick auf die Vor- und Nachteile:

Vorteile & Nachteile

VORTEILENACHTEILE
  • Günstig
  • Schnell
  • Auch für Heimwerker machbar
  • Unsachgemäße Ausführung kann zu Sekundärschäden führen
  • Schadstelle oft noch sichtbar
  • Einige Stunden Aufwand

Die Alternative zur Kabelreparatur auf die oben beschriebene Weise ist der Ersatz des kompletten Kabels – aber dies ist in der Regel überaus kostenintensiv. Der Vorteil hier ist, dass der Raum bzw. die Wand quasi komplett renoviert wird. Die Schadstelle ist danach auf keinen Fall mehr sichtbar.


Das dürfen Sie bei einem angebohrten Kabel auf keinen Fall machen

Was Sie tunlichst unterlassen sollten, wenn Sie ein angebohrtes Kabel reparieren:

  • Nur eine kleine Stelle freilegen und versuchen, das Kabel herauszuziehen. Das kann das Kabel weiter beschädigen!
  • Das Kabel nicht mit Quetschverbindern verbinden, sondern z.B. durch Löten, Lötverbinder, Vario-Klemmen oder gar Verdrillen. Besonders letzteres ist mehr als grob fahrlässig und stellt keine dauerhaft sichere Verbindung dar! Es besteht Brandgefahr!
  • Die Arbeit nicht gewissenhaft ausführen. Falsch gecrimpte Kabel, eingeschnittene Isolierungen oder anderes sind Pfusch!
  • Keinen Schrumpfschlauch verwenden. Wer das Kabel stattdessen mit Isolierband oder gar ohne Schutz in die Wand legt, hat wieder keine dauerhaft sichere Schutzlösung!
  • Die Wand nicht ordentlich wiederherstellen. Das sieht nicht nur unschön für Sie aus, sondern kann sich auch finanziell rächen – spätestens wenn der Vermieter oder der Käufer einen Blick darauf wirft!
Jens Koller
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